[...] Stadtpfarrer Manhart, der damals noch den Titel Kurat trug, setzte in die neue Kirche, die Rosenkranzkirche, die Hoffnung, dass nun die Fürstätter in seine Kirche gingen und nicht mehr ins Kloster und nach St. Nikolaus ausweichen würden. Dennoch zählte die Klosterkirche noch 1958 79 Besucher aus Fürstätt an einem Zählsonntag. Einige Zahlen aus den Seelsorgsberichten der damaligen Zeit: Kurat Weigl zählte 1933 bei 953 Katholiken 57,7 % Kirchenbesucher, d.h. 550 - in der alten Kirche. 85 % waren zur Osterbeichte gegangen. So war die Lage bis Adolf Hitler sagte: „Wenn ich schon die Jugend habe, die Alten sollen in die Beichtstühle hinken. Aber die Jugend, die wird anders, Dafür stehe ich“. Er wusste um die Manipulierbarkeit des Menschen, der sich nicht mehr vor Gott verantwortet. Damals hörte es auch auf, dass man die Beichtzettel einsammelte und so die Beichten kontrollierte. Generalvikar Buchwieser kreidet in seinem Antwortschreiben auf die Seelsorgeberichte den Rosenheimer Pfarrern an, dass bei ihnen „wie kaum in einem anderen Dekanat" die wöchentlich einmal vorgeschrie-benen Singmessen vernachlässigt würden. 1936 im September war der Kirchenbesuch auf 392 zurückgegangen. 1938 ging von den 1456 Fürstättern ein Drittel, nämlich 554, zur Messe. Der Kurat freute sich, dass erstmals auch von den Arbeitsdienstlagern Leute zu den Gottesdiensten kamen, nämlich 6 Theologiestudenten. Sonst ging bei den Lagern nichts. 1940 waren es 382 Besucher in 2 Sonntagsmessen. 237 gingen zur Beichte. Die Not scheint nicht beten gelehrt zu haben. Der Kurat klagt: „In der Pflege des Gebetes und der sittlichen Zucht sowie im guten Beispiel betr. Sonntagsmesse sind viele Eltern sehr nachlässig und lax“. 1942 gibt es in der Fastenzeit auf einmal 684 Besucher. Grund dafür war ein „Heldengottesdienst“. So nannte man damals Spätgottesdienste für Gefallene, die meist mit Blasmusik gestaltet wurden. Auch damals scheinen viele lieber zum Trauern als zum Feiern in die Kirche gegangen zu sein. 1945 wurde die 10.15 Messe endlich eingeführt. Der Kirchenbesuch steigt auch ohne Heldengottesdienst auf 614. Ein guter Gottesdiensttermin hilft, scheint es, manchmal mehr als das Klagen. 1946 wurde unsere Kirche Stadtpfarrkirche. 1947 gibt es 4 Jugendgruppen: für die Buben St. Quirinus und St. Bonifatius, für die Mädchen St. Maria und St. Hildegard. Pfarrheim, Bücherei und Gruppenraum ist die obere Sakristei. 1948 steigt der Wohlstand und der Stadtpfarrer klagt, dass die Eltern ihre Verantwortung nicht mehr erkennen oder die jungen Leute sich nichts mehr sagen lassen. Inzwischen zählt man 2116 Seelen bei 729 Besuchern im Schnitt. Seit 1946 gibt es auch einen Pfarrgemeinderat, den „Pfarrausschuß“. Den Besucherrekord hatte unsere Kirche an einem Sonntag im September 1952 mit 1014 Leuten (40%) 1938, 1948 und 1958, dann 1971 und 1983 war Mission, meist mit Nachmission im darauf folgenden Jahr. 1954 trat Geistlicher Rat Otto Stauß die Nachfolge an. Als geistlicher Leiter der Legion Mariens wurde er weit über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt. Er starb am 26. August 1970. Am 6. Dezember übernahm Alois Fuchs die Pfarrei. Seine erste Sorge galt der Sicherung der Bausubstanz der vorhandenen kirchlichen Gebäude. Die Renovierung der Qurinuskirche wurde 1974 abgeschlossen. Trotz des Einsatzes vieler freiwilliger Helfer hatte sie eine halbe Million DM gekostet. Dabei wurde ein neuer Dachstuhl errichtet, bei der lnnenrenovierung das Quirinusfresko freigelegt, eine neue Orgel und die Johannesglocke beschafft. Desgleichen wurde in diesen Jahren der Turm der Rosenkranzkirche mit Kupfer gedeckt, das Innere renoviert und den Anforderungen der Liturgie nach dem II. Vatikanischen Konzil angepasst. Die Renovierung des erst 1966 gebauten Pfarrheims erwies sich als erfolglos. In den unten gelegenen Jugendräumen bekam man immer noch nasse Füße. So musste es abgebrochen werden. 1982 konnte das neue Pfarrheim eingeweiht werden. Im Bayerischen Rundfunk wurde es als „schönstes Pfarrheim Oberbayerns" verkündet. Nach dem Ankauf des Nachbargrundstücks und mit einem Kostenaufwand von 2,5 Millionen war auch nichts anderes zu erwarten. 1987 wurde das Geläute der Quirinuskirche mit einer Aloisiusglocke und einer Pater Rupert Mayer Glocke vervollständigt.